Wohn- und Geschäftshäuser Große Hamburger Straße 28-29


Denkmalgerechte Sanierung der Fassaden und des Daches zweier Wohn- und Geschäftshäuser in der Spandauer Vorstadt.

Das Projekt

Die denkmalgeschützten Häuser Große Hamburger Straße 28–29 werden in mehreren Bauabschnitten instand­gesetzt und in Teilen rekonstruiert. Nach einem ersten Erprobungs­abschnitt am Haus Nr. 29 (BA1, 2020) und der Straßenfassade von Nr. 28 (BA3a, 2021) wurde im aktuellen Bauabschnitt BA2 das Haus Nr. 29 weitgehend fertig­gestellt: sämtliche Fassaden inklusive Rekonstruktion der Balkone sowie die Instandsetzung des Daches, einschließlich einer Schwammsanierung der Holzdecke über dem 4. OG.

Architektur und Geschichte

Nach 1900 kam es zu einer grundlegenden Umgestaltung des Umfeldes der Sophienkirche. Vorhandene Häuser in der Großen Hamburger Straße wurden abgerissen und eine städtebauliche Figur entworfen, die achsial auf den Turm der Sophienkirche ausgerichtet war. Es wurde zunächst 1901-02 vom Architekten des Kirchumbaus Kurt Berndt das Gemeinde­haus Hausnummer 28 errichtet, im Anschluss vom Baumeister Gustav Clemens von 1902-05 die Wohnhäuser mit den Hausnummern 29, 30 und 31. Das entstandene Ensemble besteht, als starke städtebauliche Figur mit barocker Anmutung, im Wesentlichen bis heute.

Das Haus Nr. 29 ist bis heute von seiner bauzeitlichen, neubarocken Formensprache geprägt. Besonders eindrücklich sind die zahlreichen, in der Fassade ablesbaren Einschuss­löcher aus den letzten Kriegstagen – nach den umfangreichen Sanierungen in der Spandauer Vorstadt eines der wenigen verbliebenen Zeugnisse dieser Art.

Das Transferkonzept

Leitgedanke der Planung ist die bewusste Auswahl dessen, was für die Nachwelt erhalten werden soll:

  • Erhalt bauzeitlicher Substanz einschließlich der Zeitspuren aus der Kriegszeit
  • Stärkung des städtebaulichen Ensembles, insbesondere der Symmetrie zum Nachbargebäude Nr. 30
  • Rekonstruktion wesentlicher Bauteile und Ornamente, soweit für Architektur­verständnis und Gesamtbild erforderlich
  • Rückbau nichtbauzeitlicher, störender oder technisch schädlicher Elemente

Die Vernachlässigungs­geschichte ist hingegen ausdrücklich nicht Teil der Überlieferung. In der Detailbearbeitung waren immer wieder Abwägungen nötig – auch, weil am gegenüber­liegenden Haus Nr. 30 bereits in den 1990er Jahren die Putzfassade nahezu vollständig erneuert wurde und einzelne Ornamente nur dort als – undokumentierte – Rekonstruktion vorliegen.

Bearbeitete Teilbereiche

Fassaden zum öffentlichen und halböffentlichen Raum

  • Putzfassaden Straße, Kirchgasse, Kirchhof
  • Putzfassaden zum gemeinsamen Innenhof mit Nr. 28
  • Balkone

Dach

  • Dachkonstruktion
  • Oberste Geschossdecke zum Dachraum
  • Dachdeckung

Tempietto als Bekrönung des Eckturmes – zugleich Bestandteil von Fassade und Dach.